
Über 120.000 Mitglieder zählen die 267 Vereine des Dachverbandes AdKV (Arbeitsgemeinschaft deutscher Kunstvereine). 1,3 Millionen Besucher interessierten sich allein im letzten Jahr für Projekte von rund 8000 Künstlern.
Deutsche Kunstvereine zählen nicht grundlos zu den ältesten Bürgerinitiativen im Lande, sie ermöglichen Unmögliches. Sie erschaffen dank 200 Prozent Engagement mit Einfallsreichtum und Selbstausbeutung stetig neue Modelle in der Kunstpräsentation. Als relativ unabhängige Mitglieder-Institutionen müssen sie keine repräsentativen Pflichtübungen publikumswirksamer Großausstellungen absolvieren. Sie besitzen – jedenfalls im Prinzip – einen eigenen Freiraum. Wo und wie sie dafür aber das Geld beschaffen, bleibt weitestgehend ihr Problem. Sie sind deshalb mehr und mehr gezwungen neue Mischfinanzierungen zu erproben um finanziell über die Runden zu kommen – eine neue Form einer Art Wir-AG. Diese ökonomische Notsituation betrifft vor allem die kleineren Vereine dramatisch. Der Drang nach guten Ausstellungen stellt manchen Verein vor schwer überwindbare Hürden. Doch wer sie nicht überspringt, den bestraft der Kunstbetrieb – sprich, man verschwindet aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit. Was bleibt ist das Schattendasein einer allenfalls regional wahrgenommen Randexistenz.
Im Vortrag erfahrt Ihr mehr über die Geschichte, die Struktur und die Institution Kunstverein an sich, die eine einmalige Situation in Europa sind.
Nicht zufällig ist im letzten Jahrzehnt das Interesse von Unternehmen an der zeitgenössischen Kunst und an den „creative industries“ deutlich gestiegen, denn mit ihren kreativen Leistungen stellt die zeitgenössische Kunst ein Modell für innovatives Denken und Handeln dar.