Von Do 22. — Sa 24. Okt 2009 finden die folgenden Vorträge statt. Die genauen Vortragszeiten werden in den nächsten Wochen ergänzt. Die Liste der Vortragenden ist noch nicht vollständig. Wir bitten um ein wenig Geduld.
Freie Klasse UdK — Anton Steenbock
Seit 1990 haben Studierende der HdK/UdK ihr Studium und ihre Lehre selbst organisiert, die eigenen Inhalte formuliert und untereinander ausgetauscht und Regeln und Abläufe für die Zusammenarbeit gefunden. Die Freie Klasse ist eine Gruppe von StudentInnen, die eine eigene Form des Studiums sucht, mal gegen, mal neben und mal in Zusammenarbeit mit der regulären Lehre an der Universität. Die Freie Klasse wird von Studierenden gemacht und erhalten und wird an Studierende weitergegeben. In diesem Sinne ist die Freie Klasse eine Institution in der Institution mit eigenen Regeln, mit einer (Selbst)verwaltung, Räumen, Geräten und einem Etat.

Selbstorganisation, Forschung und Bohème — Prof. Stephan Dillemuth
Im Zentrum der Arbeit von Stephan Dillemuth steht ein forschendes Interesse an den aktuellen Veränderungen im Verhältnis von Kunst und Öffentlichkeit, das häufig auch historische Kontexte mit einbezieht. In Hinblick auf die Entwicklung unserer Kontrollgesellschaften wäre zu fragen inwieweit Künstler und Subkulturen überhaupt noch gewillt sind die Diskurse und Vertriebsstrukturen des künstlerischen Feldes selbst zu bestimmen und welche Möglichkeiten der künstlerischen Opposition es dann gäbe. Einen wesentlichen Ausgangspunkt für diese Überlegungen ist für Dillemuth die Idee bohemistischer Forschung und die Politisierung von Selbstorganisation, welche im Gegensatz zu Selbsthilfe auf eine prinzipielle Veränderung des bisherigen Kunst- und Gesellschaftssystems zielt.

Bologna sehen und sterben? — Prof. Wolfgang Fach
Eine Verteidigung des Bologna-Prozesses gegen seine Kritiker mit einem Hinweis auf ungenutzte Potenziale und hausgemachte Probleme.

Aktionsklasse — Lisa von Billerbeck, Léo Favier und Tiziana Jill Beck
In 4 Tagen, 3 Workshops und 8 Vorträgen gab es Spekulationen über grafische Intervention, Experiment, Handarbeit und Ökonomie von und mit europäischen Grafikdesignern, Fotografen, Architekten und Künstlern. Initiiert wurde diese Projekte von drei Studenten der Kunsthochschule Berlin Weißensee.
Don’t Panic! Vom Praktikanten zum Praktikantenguide. — René Gebhardt, Antje Gerwien und Björn Kernspeckt
René Gebhardt, Antje Gerwien, Björn Kernspeckt und Sebastian Locke nehmen Kontakt zu über 300 Agenturen auf und interviewen 30 von ihnen. Sie stellen Fragen wie: »Würde eure Agentur überhaupt ohne Praktikanten funktionieren?« oder »Was muss man in der Mappe haben, um bei euch überhaupt eine Chance zu haben?« aber auch »Sind gute Praktikanten nicht unterbezahlte Grafiker«. Das Buch besteht jedoch nicht nur aus Agenturvorstellungen, sondern es gibt noch einen allgemeinen Teil zum Thema Praktikum, Rechte und Pflichten von Praktikanten. Eigeninitiative lohnt sich. Sei es als Praktikant, Student oder Berufseinsteiger. Die Macher vom Praktikantenguide erzählen über die Entstehung des Buches, über ihre Erfahrungen mit selbstinitiierten Projekten und über den Umgang mit Praktikanten aus der Agentursicht.

Tubebot und Tribot — Jonathan Herrle, Ralf Kittmann und Josef Niedermeier
Ein Rohrleitungsroboter, der städtische Wasserleitungssysteme wartet und ein Forschungsroboter, der in extremen nur schwer zugänglichen Umgebungen von Gletschern und Polregionen Daten für Wissenschaft und Forschung sammelt. Entworfen wurden diese beiden Roboter von Jonathan Herrle, Ralf Kittmann und Josef Niedermeier an der Kunsthochschule Berlin Weißensee.

Kunst in Betrieb — Kerstin Arnold, Katrin Herold und Anja Richter
Das Projekt »Kunst in Betrieb« ist in einer Kooperation von Studierenden der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle. Bei diesem Projekt handelt es sich um eine Kunstausstellung, die von engagierten jungen Kunstinteressierten in enger Zusammenarbeit und Eigeninitiative entwickelt und ausgearbeitet wird. Das beinhaltet die Entwicklung und Organisation des Konzeptes, sowie die kuratorische und gestalterische Arbeit.

Design is not enough — Sandy Kaltenborn und Piérre Maite
Das Büro bildwechsel (image-shift) arbeitet seit nunmehr 10 Jahren an den Schnittstellen von sozialen Bewegungen, Kunst, Kultur, Soziales und Politik. Im Vordergrund ihrer Arbeit stehen gesellschaftspolitische Fragen, die sie mit den Mitteln der visuellen Kommunikation bearbeiten bzw. kommunizieren. Sie streben nach »Komplizenschaft« in ihrem Kundenverhältnis — weniger sind sie an sog. professionellen Dienstleistungsverhältnissen zwischen sich und ihren Kunden interessiert. Sie »verpacken« keine Sachen. Im Vordergrund steht der soziale & kommunikative Gebrauch der visuellen Produkte die sie in die welt setzen. Um darüber sprechen zu können, halten sie es für wichtig zwischen Markt und Gesellschaft polarisierend zu unterscheiden.
Ansonsten konzipieren und gestalten sie Bücher, Plakate, Webseiten, Ausstellungen, unterrichten, halten Vorträge, räumen die Küche auf, sortieren ihre Socken und liegen einfach mal faul mit ihren Freunden und Freundinnen im Park.

Leitidee der Universität und ihr Menschenbild zwischen Humboldt und Bologna — Marius Reiser
In diesem Vortrag geht es um die Leitidee und das Menschenbild, die der Humboldt’schen Universität zugrundelagen, und das, was unter dem Leitstern »Bologna« daraus werden soll. Im letzten Teil soll den Unterschied von Wissen und Wissenschaft verdeutlichen und zeigen, daß Wissensvermittlung nicht die Hauptsache einer akademischen Ausbildung sein kann. In diesem Zusammenhang möchte Marius Reiser einen kleinen Forschungsbeitrag zur Verkündigungsszene auf dem Isenheimer Altar vorstellen.

Kurzschluss, ein bundesweites Vernetzungsprojekt von Kunststudenten — Simone Rueß
Im November 2004 beginnt Kurzschluss mit dem Wunsch nach bundesweiten Austausch. Auf einer Deutschlandtour im Juni 2005 werden Studenten von 22 Kunsthochschulen kontaktiert und nach Stuttgart in ein ehemaliges Fabrikgebäude eingeladen. Erste Kontakte und Projektgruppen bilden sich über das Forum im Internet. Während des Zeitraums von September bis November 2005 wohnen und arbeiten im Bellingweg über 150 Teilnehmer. In ortsbezogenen, gemeinsamen Projekten werden künstlerische Positionen zusammengeführt und in einer Ausstellung präsentiert.
Ko-Kreativität — Prof. Jörg Petruschat

Prof. Jörg Petruschat wird zum Thema »Zusammenarbeit« im Bereich Gestaltung sprechen und reagiert damit auf ein Designverständnis, das in den letzten Jahren sehr individualistische Zuschnitte bekommen hat und fast ausschließlich die Diversifikation des einen von allen anderen ins Zentrum gestalterischer Bemühungen stellt. Im Ergebnis dieser Differenzierungen entsteht mittlerweile nicht mehr bloß Vielfalt, sondern diese Vielfalt führt ob ihrer Unübersichtlichkeit ihrerseits wieder zu so etwas wie einem »Rauschen«, bei dem die mühsam errungenen Differenzierungen gegeneinander in der Masse verschwinden.
Wir müssen es falsch machen! — Tim Heiler und Alexander Lis


fourfiveX ist eine 2005 von Alexander Lis und Tim Heiler initiierte Plattform für unabhängige Forschung zwischen Design und Kunst. Sie stellen Ergebnisse und Ansichten zur Diskussion, die sich in den letzten Jahren zwischen ihrer freien Arbeit, ihrem Design-Studium und ihrem restlichen Leben entwickelt haben.
Sustainable Water — Lars Mayer

Im Rahmen der Schriftenreihe »Designkritische Texte« erscheint jährlich der Preisträger-Text des Wilhelm-Braun-Feldweg-Förderpreises im Niggli Verlag. 2007 wird der Beitrag von Lars Mayer veröffentlicht. Seine Arbeit geht in einer anschaulichen Herleitung auf die Wasserproblematik in Bangladesch, einem der ärmsten Länder der Erde, ein. Als Ergebnis seiner Recherche entwickelte Lars Mayer ein Produkt zur Trinkwasseraufbereitung, das sich mit ortsüblichen Materialien und Techniken realisieren lässt und dadurch Hilfe zur Selbsthilfe bietet.
Geht das nur mir so?! — Christoph Stroppel
Was treibt uns an zu gestalten? Ist Geld der Motor unseres Schaffens? Würden wir unseren Beruf ausüben, wenn sich niemand dafür interessiert? Wie gehen Lehrende mit unseren Arbeitsweisen um? Ist neben so viel Kreativität noch Platz für Solidarität? Motivationen weisen uns auf vermeintlich richtige und oft falsche Wege. Sie wecken Hoffnungen, leiten Depressionen ein und decken Chancen auf. Der Statusbericht eines Studenten, dessen wahre Motivation hinter Egoismus, dem Drang nach Aufmerksamkeit und Illusionen der Kreativszene verborgen liegt.
Kunstvereine in Deutschland Vermittler und Ermittler — Christin Müller-Wenzel
Deutsche Kunstvereine zählen nicht grundlos zu den ältesten Bürgerinitiativen im Lande, sie ermöglichen Unmögliches. Sie erschaffen dank 200 Prozent Engagement stetig neue Modelle in der Kunstpräsentation. Als relativ unabhängige Mitglieder-Institutionen müssen sie keine repräsentativen Pflichtübungen publikumswirksamer Großausstellungen absolvieren.
Wo und wie sie dafür aber das Geld beschaffen, bleibt weitestgehend ihr Problem. Und der Drang nach guten Ausstellungen stellt manchen Verein vor schwer überwindbare Hürden. Doch wer sie nicht überspringt, den bestraft der Kunstbetrieb – sprich, man verschwindet aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit. Was bleibt ist das Schattendasein einer allenfalls regional wahrgenommen Randexistenz.
Im Vortrag erfahrt Ihr mehr über die Geschichte, die Struktur und die Institution Kunstverein an sich, die eine einmalige Situation in Europa sind.
Streik, Besetzung, Negation — Cornelia Durka
Ein Blick zurück auf drei historische Beispiele studentischer Revolte an Kunsthochschulen. Streik und Besetzung waren um 1968 das Mittel radikaler Opposition am Hornsey College of Art in London, an der Hochschule für Gestaltung in Ulm und an der École des Beaux Arts in Paris, wo die Studierenden gegen Reformen, Verbesserung und die Illusion künstlerischer Freiheit und für die grundlegende Änderung des Universitätsbetriebs und der herrschenden Verhältnisse überhaupt eintraten.
Wie verstehen wir die nostalgischen Bilder studentischer Revolte heute? Können wir mit „unproduktiven Strategien“ wie Verweigerung, Blockaden und Gegenorganisation noch etwas anfangen?
Komm in die Gänge — Marion Walter und René Gabriel

Seit mehr als sieben Jahren schimmelt das denkmalgeschützte Gängeviertel mitten in Hamburg vor sich hin. Einsam, verlassen und vergessen steht es da, und es regnet in die Dächer. Der Einzige, der sich für dieses Quartier mit den über 100 Wohnungen und
Räumen zu interessieren schien, war bis vor kurzem ein Investor aus Holland – der 80% abreißen wollte, um Loftwohnungen und Büros zu bauen. Auf der anderen Seite herrscht unter den KünstlerInnen und Kreativen in Hamburg seit Jahren eine akute Raumnot.
Am 22. August 2009 kam dann zusammen was zusammengehört: Die Initiative
»Komm in die Gänge« nahm sich dem Gängeviertel unter Beteiligung von über 200 Hamburger KünstlerInnen, Kreativen und Querdenkern an und setzte damit dem Leerstand ein Ende.
Just Do It — Diethard Küster
Kreativität oder Karriere? Kompromiss oder K.O.? Selbstbestimmung oder Selbstmitleid? Sekt oder Selters?
Ein kleiner Exkurs über Träume, Pläne, Hoffnungen eines kreativen Berufslebens und die dazu gehörenden Optionen des Scheiterns, der Anpassung und des Aufgebens oder… des Erfolges.
Querdenken gegen Einschlafen vom Demoplakat zum Geschäftsbericht und wie weiter? — Prof. Anna Berkenbusch
Mit Plakaten für Spontiaktionen, mit Öffentlichkeitsarbeit für Non-Profit-Organisationen und Ausstattungen für Autorenkunstfilme kann man kein Geld verdienen. Vom Steineschmeissen zum Gang durch die Institutionen. Wie die Linken den Alltag verändert haben und was davon übrig ist. Und von der Kunst zu überleben, ohne sich zu verbiegen.


